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Chance für die Ortsmitte: Nußdorf will für St. Benedikt eine tragfähige Zukunft entwickeln

Nußdorf - Als im Jahr 2020 bekannt wurde, dass der Betrieb des Senioren- und Pflegeheims St. Benedikt eingestellt wird, war das für Nußdorf am Inn ein spürbarer Einschnitt. Über viele Jahre war das Haus ein fester Bestandteil der sozialen Infrastruktur im Ort, mit seiner Schließung fiel nicht nur ein vertrautes Angebot weg, sondern auch die Frage nach der Zukunft des Areals rückte plötzlich in den Mittelpunkt. Seither ist aus dem Verlust einer alten Nutzung Schritt für Schritt die Chance entstanden, an zentraler Stelle im Ort etwas Neues und Zukunftsfähiges zu entwickeln.

Zunächst wurde das Objekt vom Landratsamt als Unterkunft für Asylbewerber angemietet, der Mietvertrag läuft noch bis zum 31. Dezember 2026. Diese Zwischenlösung sorgte dafür, dass das Gebäude weiter genutzt werden konnte. Zugleich war von Anfang an klar, dass damit die langfristige Entwicklung des Standorts noch nicht entschieden ist. Gerade weil es sich um ein wichtiges Grundstück in Nußdorf handelt, geht es nun darum, über den Übergang hinauszudenken und eine Lösung zu finden, die städtebaulich sinnvoll, sozial ausgewogen und für die Gemeinde auf Dauer tragfähig ist.

In der jüngsten Sitzung des Nußdorfer Gemeinderats informierte Erste Bürgermeisterin Susanne Grandauer (CSU/FWG) über den aktuellen Stand und skizzierte erste Überlegungen für das weitere Vorgehen. Dabei machte sie auch deutlich, unter welchem finanziellen Druck die Gemeinde steht: Der Erwerb des Objekts wurde über einen Kredit in Höhe von drei Millionen Euro finanziert, ab dem 1. Juli 2027 beginnt die Tilgung. Angesichts der angespannten Haushaltslage, so Grandauer, könne die Gemeinde Zinsen und Tilgung nicht dauerhaft aus eigener Kraft schultern. Mit dem Auslaufen des Mietvertrags Ende 2026 rückt damit nicht nur städtebaulich, sondern auch finanziell ein entscheidender Zeitpunkt näher.

Die Gemeinde will die Zeit bis dahin nutzen, um die Weichen für eine nachhaltige Nachnutzung zu stellen. Dass man dabei nicht bei null beginnt, zeigte auch der Blick auf frühere Überlegungen: Bereits in einer Bekanntmachung zur Grundstücksvergabe im Jahr 2023 waren mögliche Rahmenbedingungen formuliert worden, darunter eine Geschossfläche von maximal 2400 Quadratmetern, Seniorenwohnungen, eine Tagespflege, weitere Wohnnutzungen sowie klare bauliche Vorgaben etwa zu Gebäudehöhe, Dachform, Tiefgarage und zum freizuhaltenden Grünbereich entlang des Steinbaches.

Diese Vorgaben hatten die gewünschte Richtung zwar deutlich gemacht, zugleich aber auch gezeigt, wie anspruchsvoll die Suche nach einer umsetzbaren Lösung ist. Ein geeignetes Angebot kam damals nicht zustande. Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen verändert, auch die finanzielle Lage verlangt nach realistischen und flexiblen Ansätzen. In der Diskussion mit den Gemeinderäten zeichnete sich dabei ab, dass gewerbliche Nutzungen wie eine Arztpraxis oder Gastronomie wohl keine große Rolle spielen dürften. Zum einen hätten in Nußdorf ansässige Ärzte bereits abgewunken, zum anderen verspreche auch das Umfeld am Hochriesweg kaum die Voraussetzungen für einen Nahversorger. Da eine Tagespflege nach aktuellem Stand im Nußdorfer Hof verwirklicht werden könnte, eröffnen sich für den Hochriesweg zusätzliche Spielräume. Die Gemeinde will sich deshalb nun vor allem auf das Thema Wohnen konzentrieren.

Gerade darin liegt die neue Stärke des Verfahrens: Die Gemeinde denkt nicht schematisch, sondern sucht eine Lösung, die zum Ort passt. Auch unterschiedliche Wohnformen für ältere Menschen bleiben dabei im Blick, von betreutem Wohnen über Seniorenhausgemeinschaften oder Mehrgenerationenwohnen bis hin zu ambulant betreuten Wohngemeinschaften. So zeichnet sich ab, dass das Areal St. Benedikt nicht einfach nur neu bebaut, sondern mit Augenmaß weiterentwickelt werden soll. Im nächsten Schritt soll nun die Bekanntmachung zur Grundstücksvergabe mit den Rahmenbedingungen der Gemeinde veröffentlicht werden, die in der April-Sitzung des Rates final vorgestellt werden soll. Darauf können sich Investoren bewerben und ihre Ideen vorstellen, damit am Ende eine für Nußdorf optimale Lösung gefunden werden kann. Aus einem jahrelangen Provisorium könnte damit ein Projekt entstehen, das den Bedürfnissen der Gemeinde gerecht wird und dem Ort an zentraler Stelle neue Impulse gibt. Nußdorf steht damit vor einer wichtigen Entscheidung – und zugleich vor der seltenen Gelegenheit, einen prägenden Standort neu zu denken.