Barrierefrei bauen – schon in jungen Jahren?

von Christiane Grotz

Als Behindertenbeauftragte des Landkreises Rosenheim möchte ich allen jungen Bauherren zurufen: Barrierefreies Bauen ist eine Investition in Gegenwart und Zukunft!

Man stellt mir manchmal die Frage:

"Ist barrierefreies Bauen auch mich als für junger Bauherr sinnvoll? Ich bin fit, habe keine Bewegungseinschränkungen, brauche weder einen Rollator geschweige denn einen Rollstuhl. Warum soll ich Kosten auf mich nehmen, die nicht notwendig sind?"

Haben Sie schon einmal versucht, mit einem beim Skifahren verstauchten Knöchel oder Knie in eine Badewanne zu steigen? Sind Sie nachts lieber einen Umweg gelaufen, als eine dunkle Unterführung zu nutzen? Mussten Sie schon einmal mühsam ein Fahrrad steile Stufen hinauf tragen?

Barrieren begegnen uns im Alltag in vielen Situationen. Auch ohne körperliche Behinderung können sie uns das Leben unnötig erschweren. Wenn wir mit Kisten bepackt eine schwere Tür öffnen wollen oder den Kinderwagen über mehrere Stufen transportieren müssen, in dunklen Treppenhäuser unseren Schlüssel suchen, oder Übergänge zwischen zwei Räumen zur Stolpergefahr werden, haben wir auch ohne körperliche Einschränkungen Barrieren zu überwinden.

Die Liste der Beispiele lässt sich über den Bewegungsradius für Schwangere, Mütter mit kleinen Kindern in Kinderwagen und die Erreichbarkeit von Klingeln für Kinder beliebig fortsetzen. Abgesehen davon verschont das Älterwerden niemanden von uns, und die Aussicht, möglichst lange in den eigenen vier Wänden ein selbständiges Leben führen zu können, ist für jeden erstrebenswert.

Warum also nicht von vornherein Barrieren beim Planen und Bauen von Häusern und Wohnungen vermeiden, um ihre Benutzbarkeit für alle zu steigern und um den Wohnwert zu erhöhen - wo sich doch später oft teure Änderungen und Umbauten vermeiden lassen, die vielleicht gar nicht mehr zu verwirklichen sind? Dabei lassen sich diese Ideen beim Bauen oft ohne große Kosten umzusetzen!

Hier einige Beispiele, die beliebig erweiterbar sind

  • eine leicht schließende Haustüre mit 90 cm Breite und
  • ein ebenerdiger Hauseingang,
  • beidseitige Handläufe an Treppen zum Schutz gegen Stürze,
  • breite Treppen, sodass später ein Treppenlift eingebaut werden kann,
  • eine gute Beleuchtung im Außen- und Innenbereich,
  • Einbau einer ebenerdigen Dusche.

Die genannten Beispiele sind nur Anregungen. Eine ausführlichere, sehr interessante und hilfreiche Auflistung von Möglichkeiten zum barrierefreien Bauen ist in einer Broschüre der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Inneren, für Bau und Verkehr zusammengefasst: http://www.bestellen.bayern.de/shoplink/03500093.htm.

Es wäre hilfreich, wenn viele zukünftige Bauherren die Anregungen aufnehmen und umsetzen könnten und somit behindertengerechtes Bauen in Bayern nach und nach immer selbstverständlicher wird.

Christiane Grotz

mit Irene Oberst Behindertenbeauftragte des Landkreises Rosenheim

Oder kontaktieren Sie die Beratungsstelle Barrierefreiheit der Bayerischen Architektenkammer für eine gebührenfreie Erstberatung: https://www.byak.de/planen-und-bauen/beratungsstelle-barrierefreiheit.html