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Wildbachgefährdungsbereich am Wimmergraben

    Nußdorf/Hinterberg – Jüngste anhaltende Regenfälle haben erneut verdeutlicht, wie rasch beträchtliche Wassermengen im Einzugsgebiet des Heubergs talwärts strömen, und das aus sonst kleinen Bachläufen in kürzester Zeit reißende Wildbäche entstehen können. Die Bewohner der Nußdorfer Ortsteile Bergen und Labach zeigen derzeit Besorgnis angesichts möglicher Überschwemmungsgefahren, die vom oberhalb gelegenen Wimmergraben ausgehen. Aus diesem Grund haben sie ihre Anliegen schriftlich an die Gemeinde gerichtet, welche daraufhin das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim um eine Stellungnahme gebeten hat.

    Infolgedessen fand vor Kurzem eine Ortsbegehung statt, an der betroffene Anwohner, Vertreter des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim, einige Gemeinderäte und Nußdorfs Erste Bürgermeisterin, Susanne Gandauer (FWG/CSU) teilnahmen. Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim wurde beauftragt, szenarisch darzustellen, was passiert, wenn der Abfluss des Wimmergrabens bereits weit oberhalb verklaust, wodurch das abfließende Wasser gezwungen ist, sich einen alternativen Weg im Gelände zu suchen, erklärte Susanne Grandauer. Die ersten Ergebnisse der Untersuchung präsentierte Michaela Weingartner vom Wasserwirtschaftsamt in der letzten Gemeinderatssitzung.

    Im Unterschied zu zahlreichen anderen Wildbächen im Heuberggebiet ist das Einzugsgebiet des vorwiegend bewaldeten Wimmergrabens mit 0,26 km² vergleichsweise klein, so Thomas Brandner, Leiter Sachgebiet Wasserbau und Gewässerentwicklung für den Landkreis Rosenheim Süd-Ost im Wasserwirtschaftsamt. Seit 1920 wurden hier sieben größere Ereignisse beim Wasserwirtschaftsamt registriert.

    Das Gebiet wurde vermessen und die maßgeblichen Parameter, wie Vorfluterlänge (1,46 km), mittleres Geländegefälle (83.52 %) oder der Wasserabfluß (HQ100 2,81 m³/s) in einem Simulationsprogramm erfasst. Die zugrundeliegenden Niederschlagsmengen wurden durch Untersuchungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ermittelt. Berücksichtigt wurde unter anderem auch eine Verklausung bzw. Verlegung im Oberlauf im Wimmergrabens durch Schwemmholz und Geschiebe. Im Normalfall wird das Regenwasser über den Labach in den Inn abgeleitet.

    Daraus konnten 2D-Modelle auf Basis des digitalen Geländemodells und der terrestrischen Flusslaufvermessung erzeugt und dem Gemeinderat unterschiedliche Szenarien bis hin zum Maximum visuell beindruckend vorgestellt werden. So wurden auch Hochwassersituationen unter den Bedingungen eines hundertjährigen Hochwassers aufgezeigt. Brandner bestätigte, dass neben der dargestellten Problematik der Verklausung zusätzlich das ablaufende Hangwasser in den Berechnungen der Niederschläge berücksichtigt wurde.

    Des Weiteren erläuterte Brandner, dass jedes Einzugsgebiet spezifische Merkmale aufweist, die durch Hangneigung, Geologie, Bodenart und Form geprägt werden. Diese Faktoren werden in Betracht gezogen, um den Abfluss auch für Hochwassersituationen zu ermitteln. Dadurch ergibt sich ein mögliches Abflussmodell, das die Betroffenheit und Besorgnis im Ortsteils Bergen relativiert.

    Einige Gemeinderäte konnten die Modellberechnungen jedoch nicht nachvollziehen, da die betroffenen Anwohner in den letzten Jahrzehnten andere persönliche Beobachtungen bezüglich des Gewässerabflusses gemacht haben. Ein Indiz Abfluss in Richtung Bergen sei ein kleiner, nördlich erscheinender Bachverlauf, der sich in extremen Situationen direkt nach Bergen ergießen würde. Die Experten des Wasserwirtschaftsamts haben diesen Bachverlauf in ihren Szenarien durch Verklausung des Wimmergrabens bereits als besonders relevant eingestuft konnten aber hier keine hochgradige Gefahr erkennen, erklärte Thomas Brandner.

    Allerdings nehme man die Besorgnisse der Einwohner ernst. Um ein detaillierteres Bild zu erhalten, wird sich das Wasserwirtschaftsamt bei einem zweiten Ortstermin erneut mit dieser besonderen Lage auseinandersetzen, um die weiteren Erkenntnisse in die Berechnung einzubeziehen. Zudem kündigte Brandner an, dass der Wimmergraben und seine bestehenden Schutzbauwerke in den nächsten zwei bis drei Jahren instand gesetzt werden sollen.

    Aufgrund der absehbaren hohen Kosten für zusätzliche Ausbaumaßnahmen und dem bereits jetzt vorhandenen, relativ hohen Schutzniveau der Wohngebäude bei einem hundertjährlichen Hochwasserereignis ist der Kosten-Nutzen-Faktor hier sehr ungünstig. Hochwasserschutzmaßnahmen an anderen Gewässern mit höherer Priorität sind daher dem Wimmergraben vorzuziehen.

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