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Gemeinde Nussdorf a.Inn  |  E-Mail: info@nussdorf.de  |  Online: http://www.nussdorf.de

2004 Tagebuch einer nicht alltäglichen Reise

 

Samstag, 31. Juli:

Freudige Anspannung liegt in der Luft, als wir (16 Jugendliche aus Nußdorf, begleitet von Barbara und Burkard Schiedermair) uns zu unserer Reise in die Partnergemeinde Camblanes-et-Meynac treffen. Wir hatten fast alle schon im letzten Jahr die Franzosen kennen gelernt, doch diesmal werden wir Nußdorfer, ca. 1400 Kilometer entfernt vom Inntal, eine Woche französische Luft schnuppern. Start unserer Reise ist der Pendlerparkplatz Fröttmaning. Von hier geht es per Linienbus nach Paris.

 

Sonntag, 1. August:

Nach 11 Stunden wenig erholsamer Nachtfahrt kommen wir in der Seinemetropole an. Dank Metro gelangen wir schnell ins Stadtzentrum, wo wir in einer Pfarrkirche unser Gepäck verstauen können. 9 Stunden Parisbesichtigung warten auf uns: Die Ile de la Cité mit Notre Dame, der Heimat Quasimodos, das Centre Pompidou, das Künstlerquartier Montmartre mit der Kirche Sacré Coeur, die Champs Elysées mit dem Arc de Triomphe und natürlich der Eiffelturm, den wir zur Hälfte zu Fuß erklimmen. Todmüde fallen wir am Abend in die Sitze des Hochgeschwindigkeitszuges TGV, der uns in 3 1/2 Stunden nach Bordeaux bringt, wo wir um ca. 21 Uhr von den französischen Eltern herzlich begrüßt und nach Camblanes gefahren werden. Mit einem schnellen Abendessen endet dieser erste anstrengende Tag.

 

Montag, 2. August:

Ausschlafen können wir leider nicht, denn schon um 8 Uhr fährt uns der vielen Nußdorfern bekannte gelbe Gemeindebus nach Mios, einem kleinen Dorf in der Nähe des Atlantik. Hier bauen wir am Ufer der Leyre die Zelte auf, die für die nächsten 4 Nächte unser Quartier sein werden. Zeit zum Ausruhen bleibt uns nicht, denn kaum stehen die Zelte, geht es auch schon weiter flussaufwärts: Kanufahren ist angesagt.

 

An- und irregeleitet (dazu später mehr) von zwei moniteurs kämpfen wir auf dem wildromantischen Fluss gegen quer liegende Baumstämme, eigensinnige Boote (sie fahren meistens dort hin, wo wir nicht hin wollen) und garstige Flusspiraten, die nur darauf warten, unsere Boote zu entern und zu kentern. Während unseres ersten französischen pique-nique machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Nationalgetränk der Franzosen, das uns die ganze Woche begleiten soll, dem Leitungswasser.

Gut gestärkt geht es weiter bis Mios, wo wir direkt neben unseren Zelten an Land gehen und eine weitere Lektion in Sachen französischer Lebensart lernen. Nach der Bootsfahrt knurren unsere Mägen spätestens ab 18 Uhr dem Abendessen entgegen. Doch das gibt es (wie übrigens jeden Tag) erst nach 21 Uhr.

 

Ein Küchenteam bei der Vorbereitung des Abendessens

Das Abendessen an sich kann sich aber sehen lassen: Es gibt immer Salat, Hauptspeise, Nachspeise und Käse. Und natürlich baguettes, baguettes und baguettes. Müde und satt kriechen wir kurz nach Mitternacht in unsere Schlafsäcke.

 

Die Grillmeister

Dienstag, 3. August:

„Morgen fahre ich unter gar keinen Umständen wieder Kanu!" So hatten sich einige von uns gestern Abend noch geäußert. Trotzdem heißt es gleich nach dem Frühstück wieder „Leinen los", und die Leyre hat uns wieder. Dank des guten Wetters ist die Unlust jedoch schnell verflogen und wir widmen uns wieder der Frage: Wie schaffe ich es, ein anderes Boot zum Kentern zu bringen ohne selbst allzu nass zu werden? Klare Antwort: Das geht nicht. Nach und nach befindet sich jeder (auch Barbara und Burkard!) mindestens einmal neben seinem Boot im Wasser. Beim mittäglichen pique-nique auf einer großen Sandbank wollen wir beim Spiel mit dem béret für die Schmach von Pfingsten (damals verloren die Nußdorfer gegen die Franzosen) Revanche nehmen. Daraus wird leider nichts, denn wir werden in internationale Mannschaften eingeteilt.

 

Beim Béret-Spiel

Wir freuen uns schon, dass wir nach Mittagessen und Béret-Spiel nicht mehr weit zu paddeln haben. Doch da haben einige von uns die Rechnung ohne die beiden moniteurs (immerhin eigens engagierte Bootsführer) gemacht. An einer Verzweigung des Flusses lassen sie vier unserer Boote einfach in die falsche Richtung fahren. Da wir dies erst nach einer ganzen Weile merken, müssen wir nun viele hundert Meter gegen die teils ordentliche Strömung flussaufwärts paddeln. Schließlich erreichen wir doch noch glücklich das Ziel unserer Reise, baden in einem kleinen See und lassen uns anschließend vom gelben Gemeindebus nach Mios zurückbringen.

 

Mittwoch, 4. August:

Heute hätten wir wirklich ausschlafen sollen, ist doch der ganze Vormittag total verregnet. Es gießt aus Kübeln. Die Spiele, die wir zum Überbrücken spielen wollen, werden von den französischen Jugendlichen leider teilweise sabotiert. Lachen können wir trotzdem genug beim „Grunz" und „Brumm" der fiktiven Wildschweinjagd. Gegen 11 Uhr  fahren wir trotz Wolken am Himmel zur Dune du Pyla, der höchsten Düne Europas. Über 100 Meter hoch lässt sie die Waden beim Anstieg im Sand ganz schön brennen. Oben angekommen sind wir überwältigt von der phantastischen Aussicht. Wir würden gerne noch mehr Salti und Weitsprungwettbewerbe machen, doch wir müssen weiter nach Biscarosse, wo wir im Atlantik baden. Die Wellen dort begeistern wirklich alle. Am Abend besucht uns noch M. Trupin, der Bürgermeister von Camblanes-et-Maynac.

 

Das Aufweckkommando

Donnerstag, 5. August:

Das darf doch nicht wahr sein! Träumen wir oder sind wir wirklich schon wieder zu Hause in Nußdorf? Vor unseren Zelten scheint ein Almbauer seine Kühe mit einer Trillerpfeife zusammen zu treiben. Unablässig läuten die Kuhglocken. Doch welch eine Überraschung! Die vermeintlichen Kühe sind die Betreuer, die uns mithilfe einer Trillerpfeife und großer Töpfe und Pfannen zu wecken versuchen. Dem bunten Treiben macht erst der Besitzer des nahe gelegenen Campingplatzes ein Ende, der sich über die morgendliche Ruhestörung beschwert.

Da wir heute ins centre d&undefined;animation du Graoux fahren, müssen wir rechtzeitig aufbrechen. Wir werden wieder in deutsch-französische Teams eingeteilt und treten nun in den Disziplinen Orientierungslauf, Klettern mit verbundenen Augen, Kanuslalom, Kanusprint und Mountainbiken gegeneinander an. Trotz anfänglicher Bedenken machen die Spiele dann doch Spaß.

 

Nach einem pique-nique in einem schönen Wäldchen geht es heute wieder an den Atlantik, wo wir den ganzen Nachmittag verbringen dürfen. Der letzte Zeltlagerabend kann gar nicht lang genug sein, vertreiben wir uns doch unsere Zeit mit zahllosen deutschen, englischen und französischen Liedern, die wir zum Klang der Gitarre singen.

 

Steffi singt für uns: „Weit weit weg"

 

Freitag, 6. August:

Wenigstens 6 Stunden schlafen bis zum Aufräumen! Das haben sich Barbara und Burkard wohl gedacht. Leider wird nichts daraus, denn wir müssen uns natürlich für die Weckaktion vom Donnerstag rächen. Schon erstaunlich, wie schnell so ein Zelt eingelegt ist, wenn man bedenkt, wie lange es dauert, es wieder aufzustellen. Vor allem dann, wenn es 4 Uhr nachts ist und man aus dem Tiefschlaf gerissen wird...

Heute heißt es Aufräumen. Gleich nach dem Frühstück bauen wir die Zelte ab, säubern den Platz und verstauen unser Gepäck im Bus. Unser Weg führt uns zunächst ins Aqualand, ein Erlebnisbad mit ca. 10 verschiedenen Rutschen, die wir natürlich alle testen wollen. Die Zeit vergeht mal wieder viel zu schnell. Ein letztes Mal fahren wir mit unserer knallgelben Limousine. Diesmal geht‘s zurück nach Camblanes. Zum Grillabend am Sportplatz kommen die Eltern der französischen Jugendlichen und etliche alte Freunde der Gemeindepartnerschaft. Da wir das Nachspeisenbuffet gründlich plündern, müssen einige Erwachsene mit Käse und Obst als Nachtisch Vorlieb nehmen. Dafür dürfen die ja auch Wein trinken. M. Trupin hält eine kurze Rede, dankt den deutschen und französischen Betreuern und schenkt jedem Jugendlichen ein T-Shirt mit dem Wappen von Camblanes. Die Nacht verbringen wir in Gastfamilien und genießen es, wieder in einem Bett zu schlafen.

 

Französische Meister und ihre gelehrigen Schüler

Samstag, 7. August:

Ganz gemütlich, so gegen 11 Uhr, treffen wir uns für unseren Bordeauxbesuch. Die Zeit in der Stadt nutzen wir in erster Linie zum Bummeln durch Geschäfte und die schöne Altstadt. Abends, stehen am Sportplatz schon wieder die Grillmeister bereit; ein letztes Mal werden wir fürstlich bekocht. Leider geht heute eine phantastische Woche zu Ende.

 

Sonntag, 8. August:

Nach einem letzten pique-nique bringen uns die Franzosen zum Bahnhof in Bordeaux. Beim Abschied wird uns bewusst, wie schön und herzlich die Woche war. Mit französischen Küsschen verabschieden wir uns und machen uns auf die beschwerliche Heimreise. Nach 22 Stunden Bahn- und Busfahrt kommen wir schließlich total erschöpft, aber glücklich, in Nußdorf an.

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